Wüstenwind

Magazin für Wüstenbewohner
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Die Turmhügelburg bei Lütjenburg

So könnte die "Immenburg" in der hinteren Wüste ausgesehen haben.

So könnte die „Immenburg“ in der hinteren Wüste ausgesehen haben.

Viele geschichtsinteressierte Wüstenwind-Lesende erinnern sich sicherlich am unseren Artikel über die Reste einer Turmhügelburg am Ende der Limberger Straße. In der Ausgabe 51 berichteten wir über unsere Entdeckung der „Immenburg“.

In Schleswig-Holstein, nahe der Insel Fehmarn, wurde eine solche Befestigungsanlage vor etwa 20 Jahren neu errichtet. Wir nutzten eine Reise zu einem Musikfestival am Weissenhäuser Strand zu einem Besuch der auch „Motte“ genannten Anlage, idyllisch gelegen in einem sumpfigen Tal nördlich des Städtchens Lütjenburg.

Auch in der Wüste ist das Gelände bis heute sumpfig.

Der Name „Motte“ hat natürlich nichts mit dem Nachtfalter zu tun, sondern kommt aus dem Französichen „Château à Motte“. Solche Anlagen waren im 13. Jahrhundert weit verbreitet und auch in Osnabrück finden sich Hinweise auf mehrere Anlagen im Stadtgebiet. So wie die Anlage an der Ostseeküste könnte auch „unsere“ Burg in der Wüste ausgesehen haben. Die Konstruktion aus Eichenholzbalken steht auf einem aufgeschütteten Hügel und ist von einem kreisförmigen Graben und einem befestigten Ringwall umgeben. Innerhalb des Ringwalls befindet sich eine Vorburg mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden.

Ein einladender Platz für ein Picknick mit Blick auf den Turm

Die Treppen erweisen sich als recht bequem, man erkennt gut die Konstruktion aus Eichenbalken mit Holznägeln.

Die Idee für das Burgbauprojekt entstand im Jahr 1997, im Jahr 2002 begannen die Arbeiten. Im Jahr 2003 wurde die „Gesellschaft der Freunde der
mittelalterlichen Burg in Lütjenburg e. V.“ ins Vereinsregister eingetragen, die die Anlage bis heute betreut. Seit 2010 ist die Turmhügelburg im Nienthal von Lütjenburg offiziell das Mittelaltermuseum Schleswig-Holsteins.

Der Turm der Burg ist ca. 14 Meter hoch und steht in der Rekonstruktion auf einem ca. 4 Meter hohen Hügel, der oben etwa 12 Meter breit ist. Der umgebende Wassergraben hat etwa 20 Meter Durchmesser. Urspünglich war der Hügel sehr viel höher und steiler, der Zugang lag, anders als heute im ersten Stock und war wesentlich schmaler. Man wollte der Zugang für ungebetene Besucher natürlich erschweren. Die heutige Anlage soll im Gegenteil einen bequemen Zugang für Gäste erlauben.

Blick aus der Kapelle auf die Motte

Blick aus dem vergitterten Fenster der Schmiede

Die Anlage ist also etwa so groß wie unsere „Immenburg“ in der Wüste. Besucher erfahren hier, wie das Leben im 13. Jahrhundert in einer solchen Burg aussah. Man kann z. B. die Schmiede eine kleine Kapelle oder das Backhaus besichtigen und sehen, wie der Burgherr geschlafen hat.

Blick vom Turm auf die Kapelle und in die Holsteiner Landschaft

Zu unserem Glück trafen wir auch die Bewohner der Burg an, dargestellt von den „Brandenburgundern“. Die „Mittelalter Reenactment/Living History Gruppe“ aus Berlin hat sich der Darstellung mittelalterlichen Lebens in der Zeit um das Jahr 1250 verschrieben und nutzte die Anlage für eine sogenannte „Burgbelebung“.

Burgleben mit den „Brandenburgundern“

Wenn Sie Ihren nächsten Urlaub an der deutschen Ostseeküste verbringen wollen oder eine Fahrt mit der Fähre ab Puttgarden vorhaben, sollten Sie eine Stunde für eine Besichtigung des Museums einplanen. Der Besuch lohnt sich! Sie erreichen die Turmhügelburg über die A1 Richtung Fehmarn/Puttgarden. Ab der Ausfahrt 11, Oldenburg-Süd dauert die Fahrt etwa 20 Minuten.

Von unserer Turmhügelburg zeugen heute nur noch diese Bodenwellen und Verfärbungen der Vegetation auf einer sumpfigen Wiese an der Limberger Straße. Vielleicht findet sich ja auch in der Nähe ein Platz für eine Rekonstruktion?

Text: Angelika und Heinz J. Walter
Fotos Turmhügelburg: Heinz J. Walter
Luftbild: Blickfänger GbR

Hier finden Sie weitere Infos zum Thema:

Der Artikel im Wüstenwind 51 als PDF.
Die Website der Turmhügelburg Lütjenburg
Die Facebook-Seite der Brandenburgunder
Ein Beitrag von Dr. Gabriele Voßgröne im Osnabrücker Geschichtsblog
Ein Beitrag von Gerd-Ulrich Piesch im Osnabrücker Geschichtsblog


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